Reibung ist ein Schutz, nicht ein Mangel
Bei einem handgeschriebenen Auftrag muss man eine Verbindung heraussuchen, eine Kennung übertragen und einen Betrag eingeben. Diese Handgriffe kosten Minuten, und in diesen Minuten entscheidet sich oft, ob die zweite oder dritte Einzahlung eines Abends stattfindet.
Der Bank-Login entfernt sie fast vollständig. Für jemanden, der ohnehin selten und geplant einzahlt, ist das reiner Komfort. Für jemanden, bei dem Einzahlungen während des Spiels entstehen, ist es der Wegfall der letzten Bremse.
Deshalb beginnt dieser Text nicht bei Warnzeichen, sondern bei einer Frage: Wo lässt sich Reibung wieder einbauen, ohne auf Willenskraft zu setzen. Es gibt dafür mehrere Stellen, und sie wirken unterschiedlich stark.
Woran eine Verschiebung zu erkennen ist
Nicht die Höhe eines Betrags ist das Zeichen, sondern eine Änderung im Muster. Einzahlungen, die nicht geplant waren, sondern aus dem Spiel heraus entstehen. Mehrere Vorgänge an einem Abend. Spielzeiten, die in den Schlaf hineinreichen. Geld, das für etwas anderes vorgesehen war.
Dazu kommen Zeichen, die mit dem Geld nichts zu tun haben: Gereiztheit, wenn man aufhören soll. Gedanken an das Spiel während der Arbeit. Das Verschweigen von Beträgen gegenüber Nahestehenden. Der Versuch, Verluste am selben Abend zurückzuholen.
Wer diese Liste liest und bei zwei Punkten hängen bleibt, braucht keine Diagnose, sondern eine Grenze. Die folgenden Abschnitte sind nach Wirksamkeit geordnet, nicht nach Aufwand.
- Einzahlungen entstehen während des Spiels, nicht davor
- Mehrere Vorgänge an einem Abend
- Verluste sollen am selben Abend zurückgeholt werden
- Beträge werden gegenüber Nahestehenden verschwiegen
- Gedanken an das Spiel drängen sich tagsüber auf
Die Mittel nach ihrer Umkehrbarkeit
Alle Mittel in der folgenden Übersicht begrenzen. Verschieden ist, wie schnell man sie am selben Abend wieder los wird, und genau darauf kommt es an. Ein Schalter, den man in zehn Sekunden umlegt, hilft in dem Moment nicht, in dem man ihn bräuchte.
Aus diesem Grund ist die Reihenfolge in der Tabelle keine Empfehlung nach Bequemlichkeit, sondern nach Haltbarkeit. Wer ernsthaft bremsen will, beginnt unten und nicht oben.
Zwei der Mittel kennen die meisten nicht, weil sie nicht im Spielerkonto liegen, sondern bei der eigenen Bank. Sie stehen im nächsten Abschnitt.
| Mittel | Wirkt bei | Rücknahme |
|---|---|---|
| Tageslimit im Banking | allen Aufträgen des Kontos | oft sofort möglich |
| Zustimmung für den Auslösedienst | diesem Zahlungsweg | Neuanmeldung nötig |
| Einzahlungsgrenze im Spielerkonto | diesem Haus | Erhöhung erst nach Frist |
| Getrenntes Konto mit festem Monatsbetrag | allen Häusern | nur durch eine Überweisung |
| Spielpause im Konto | diesem Haus | nach Ablauf der Frist |
| Eintrag in der Sperrdatei | allen erlaubten Häusern | nur auf Antrag nach Mindestdauer |
Zwei Schalter bei der eigenen Bank
Der erste ist das Tageslimit im Online-Banking. Es gilt für jeden Auftrag dieses Kontos und damit auch für jeden Vorgang über den Bank-Login. Ein niedriger Wert beendet einen Abend von selbst, und zwar unabhängig davon, bei welchem Haus man gerade angemeldet ist.
Der zweite ist die Liste der erteilten Zustimmungen, die viele Institute in ihren Sicherheitseinstellungen führen. Wird die Zustimmung für den Auslösedienst beendet, ist dieser Weg geschlossen, und ein neuer Anlauf verlangt die vollständige Anmeldung mit zweitem Faktor.
Manche Banken bieten zusätzlich an, Zahlungen an Veranstalter von Glücksspiel zu sperren. Ob und wie das möglich ist, steht in den Bedingungen des Instituts; fragen kostet nichts und wird häufiger angeboten, als es bekannt ist.
Grenze und Pause im Spielerkonto
Jeder erlaubte Veranstalter muss eine Einzahlungsgrenze anbieten, und sie lässt sich unterhalb der gesetzlichen Decke frei wählen. Die Decke liegt bei tausend Euro im Monat. Gezählt wird je Person, und die Datei LUGAS führt die Summe über die erlaubten Häuser zusammen.
Wichtig ist die Asymmetrie dieser Einstellung. Eine Senkung greift in der Regel sofort. Eine Erhöhung wird erst nach einer Frist wirksam, und diese Frist ist der eigentliche Nutzen der Funktion.
Daneben gibt es die Spielpause. Sie schließt den Zugang zu diesem Konto für eine gewählte Dauer und ist das richtige Mittel, wenn man nicht dauerhaft aufhören, aber eine Strecke überbrücken will.
- Im Spielerkonto die Einzahlungsgrenze suchen und einen Monatsbetrag eintragen.
- Im Banking das Tageslimit auf einen passenden Wert senken.
- Beide Werte mit Datum notieren.
- Nach vier Wochen die Summe der Buchungen im Auszug nachrechnen.
- Stimmt sie nicht mit dem Vorsatz, die Werte senken und eine Pause einlegen.
Die Sperrdatei als stärkstes Mittel
OASIS ist die bundesweite Sperrdatei. Der Eintrag gilt nicht für ein Haus, sondern für alle erlaubten, und man kann ihn selbst beantragen. Eine Mindestdauer gehört dazu; danach endet die Sperre nicht von allein, sondern auf eigenen Antrag.
Praktisch heißt das: Es wird kein Konto geöffnet und keine Einzahlung angenommen, unabhängig vom Zahlungsweg. Dieser Eintrag ist damit das einzige Mittel, das nicht an einem einzelnen Haus und nicht an einer einzelnen Bank hängt.
Beantragen kann man ihn beim Veranstalter oder bei der Aufsicht; auch Beratungsstellen helfen beim Ausfüllen. Die Aufsicht führt die GGL. Ihr Dienstsitz ist Halle an der Saale.
Wohin man sich wenden kann
Es gibt kostenfreie Beratung, und sie ist nicht an eine Entscheidung gebunden. Die BZgA unterhält eine Telefonberatung zum Glücksspiel. Das Gespräch ist kostenfrei und auf Wunsch anonym. Man muss nichts mitbringen und nichts belegen.
Vor Ort gibt es Suchtberatungsstellen, oft bei Trägern der Wohlfahrt oder bei der Kommune. Ein erstes Gespräch dort kostet nichts, und es endet nicht automatisch in einer Therapie; häufig geht es zunächst nur um eine Übersicht und um die nächsten zwei Schritte.
Hilfreich für ein solches Gespräch ist eine Zahl aus dem eigenen Auszug: die Summe der Einzahlungen der letzten drei Monate. Sie ist in zehn Minuten zusammengerechnet und sagt mehr als jede Schätzung.
Wenn es jemanden im Umfeld betrifft
Für Angehörige ist der Zahlungsweg eine schwache Spur, denn Buchungen eines fremden Kontos sieht man nicht. Sichtbar sind andere Dinge: Rückzug, Reizbarkeit beim Thema Geld, geliehene Beträge ohne Erklärung, neue Konten oder Karten.
Was hilft, ist unspektakulär. Keine Schuldfrage, keine Kontrolle über das Konto und kein Ausgleichen von Schulden ohne Beratung, weil beides das Muster stabilisiert. Hilfreich ist das Angebot, zu einem ersten Gespräch mitzugehen.
Für Angehörige selbst gibt es Beratung ebenfalls, und sie ist der sinnvollere erste Schritt als jedes Gespräch über Beträge. Die Telefonberatung der BZgA ist auch dafür zuständig.
Häufige Fragen
- Hilft die Wahl der Zahlungsart beim Begrenzen?
- Mittelbar ja. Ein Weg mit wenigen Handgriffen senkt die Hemmschwelle für die nächste Einzahlung. Wirksamer als die Wahl des Wegs sind aber das Tageslimit im Banking und eine eigene Grenze im Spielerkonto.
- Wie setze ich eine Grenze, die wirklich hält?
- Indem Sie zwei Stellen gleichzeitig nutzen: die Einzahlungsgrenze im Spielerkonto und das Tageslimit Ihrer Bank. Eine Senkung wirkt meist sofort, eine Erhöhung erst nach einer Frist, und genau diese Frist ist der Schutz.
- Was bewirkt ein Eintrag in OASIS?
- Er schließt den Zugang bei allen erlaubten Veranstaltern in Deutschland. Beantragen kann man ihn selbst, auch mit Unterstützung einer Beratungsstelle. Eine Mindestdauer gehört dazu, und die Aufhebung erfolgt nur auf Antrag.
- Kann ich diesen Zahlungsweg bei mir abschalten?
- Ja. In den Sicherheitseinstellungen Ihres Instituts lässt sich die erteilte Zustimmung für den Auslösedienst beenden. Danach ist über diesen Weg keine Zahlung möglich, bis sie neu erteilt wird.
- Woran sehe ich, wie viel in einem Monat zusammengekommen ist?
- An den Buchungen im eigenen Auszug. Jede Einzahlung erzeugt eine Zeile mit Datum und Betrag, und die Summe eines Monats ist in wenigen Minuten gerechnet. Diese Zahl kommt von keinem Haus und ist vollständig.
- Kostet eine Beratung Geld?
- Nein. Beim Angebot der BZgA fällt nichts an, und einen Namen muss man nicht nennen. Für ein erstes Gespräch in einer Suchtberatungsstelle gilt dasselbe. Eine Verpflichtung zu weiteren Schritten entsteht daraus nicht.